Der Begriff der Ethik ist ein sehr umfangreicher, der verschiedene Formen umfasst. Zwei dieser ethischen Theorien sind die Gesinnungsethik und die Verantwortungsethik, welche in einem starken Kontrast gegenüberstehen.

Max Weber, der – unter anderem – den Ausdruck der Gesinnungsethik einführte, definierte diesen dahingehend, dass „der Eigenwert des ethischen Handelns allein zu seiner Rechtfertigung genügen soll“. Damit ist gemeint, dass eine Handlung ausschließlich nach eigenen Werten und Prinzipien bewertet wird. Dabei werden mögliche Konsequenzen dieser Handlung, seien sie positiv oder negativ, vollständig vernachlässigt. Ein Gesinnungsethiker handelt also rein nach seiner Gesinnung, seiner eigenen Auffassung moralischer Richtigkeit. Für die Folgen übernimmt er keine Verantwortung.

Als Gegenbegriff, führte Max Weber ebenfalls die Verantwortungsethik ein. Im Gegensatz zur Gesinnungsethik, spielen Werte und Prinzipien hier keine Rolle. Der Verantwortungsethiker handelt lediglich nach den Folgen, die eine Entscheidung mit sich bringt. Er ist für die Konsequenzen seiner Handlungen verantwortlich und muss diese zunächst gründlich abwägen, um das Ergebnis mit den positivsten Folgen zu erhalten. Die Mittel heiligen hierbei den Zweck, der Weg, der zum Ziel führt, kann demnach noch so grausam und falsch sein, solange das Resultat stimmt.

Beide ethische Theorien haben ihre Vor- und Nachteile. So kann ein Gesinnungsethiker, aus seiner eigenen Perspektive keine falschen Entscheidungen treffen, solange seine Handlungen seinen Werten und Prinzipien gerecht werden. Allerdings können die Folgen, je nach seiner Gesinnung, verheerend sein, obwohl er aus seiner Sicht richtig handelt. Der Verantwortungethiker hingegen versucht immer das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, wobei seine Methoden dafür so „schlecht“ sein können, wie die Konsequenzen einer Handlung eines Gesinnungsethikers.

Grenzen dieser Modelle lassen sich gut anhand eines Beispiels veranschaulichen, nämlich an dem des Tyrannenmords. Man stelle sich vor, man lebe in einem totalitären Staat, dessen Herrscher Menschen diskriminiert und vernichtet, wie es ihm beliebt. Man selbst gehört zu einer Minderheit, weswegen es unvermeidlich ist, dass man auch selbst zum Opfer wird. Nun wird man von einem Mitbürger angesprochen, der den Tyrannen stürzen möchte und deswegen Hilfe benötigt. Ein Gesinnungsethiker, der bestimmte Wertvorstellungen, wie „Jedes Leben zählt“, vertritt, würde sich überlegen, dass es bei diesem Plan unweigerlich zum Tod vieler Menschen kommen wird, zusätzlich zu dem des Tyrannen. Er wird das Hilfegesuch vermutlich ablehnen, da das Töten von Menschen nicht in seine Moralvorstellungen passt und er davon überzeugt ist, dass er in diesem Fall das Richtige tut. Dabei ignoriert er die Folgen und nimmt den zukünftigen Tod vieler Unschuldiger durch die Hand des Tyrannen in Kauf. Der Verantwortungsethiker hingegen wird bei dem Plan voraussichtlich helfen. Für ihn zählt nur das Ergebnis, dass der Tyrann stirbt und dadurch das Leid vieler anderer Menschen abgewendet werden kann. Dass auf dem Weg zu diesem Ziel ebenfalls der Tod vieler Menschen eintreten wird, ist für ihn nicht von Belang. So könnte es sein, dass bei einem Fehlschlag des Plans und dem Weiterleben des Tyrannen bereits Menschen getötet wurden. Diese werden dann als „Kollateralschäden“ abgestempelt und nicht weiter berücksichtigt.

Persönlich denke ich, dass eine strikte Befolgung sowohl der Gesinnungsethik, als auch der Verantwortungsethik verwerflich ist. Viel mehr sollte man ein gutes Mittelmaß von Handeln nach bestimmten Werten und Abwägen von möglichen Konsequenzen finden, sozusagen die „goldene Mitte“. So kann gewährleistet werden, dass man bei Entscheidungen nicht, durch Ignorieren der Folgen und Einsetzen jeglicher Mittel, die Falsche trifft und womöglich das Leid Anderer hervorruft.

Kommentare zu: "Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik" (1)

  1. doodlelaroo schrieb:

    Dein Beitrag stellt meiner Meinung nach die wichtigsten Punkte der zwei Arten der Ethik dar und du gehst angemessen und gut verständlich auf die Unterschiede und Vor-/Nachteile ein.
    Ich halte deine Einstellung für vollkommen richtig, nach einem gesunden Mittelmaß zu streben, stelle mir allerdings die Frage, wie ich dieses erreichen kann. Gerade Beispiele wie der Tyrannenmord sind äußerst schwierig zu behandeln, denn egal wie ich handle, es wird mit absoluter Sicherheit Opfer geben und Leid wird hervorgerufen. Vielleicht hättest du die Problematik zudem an einem mehr alltäglichen Beispiel erklären können, das auch uns betrifft.
    Man sollte immer alle Aspekte berücksichtigen (hier im Bezug auf beide Ethiken), allerdings finde ich es richtig, sich in gewissen und notwendigen Situationen auf eine Seite „zu schlagen“, was für mich keinesfalls verwerflich ist, wenn man nicht gerade absichtlich Leid von anderen im Sinne hat, sondern etwas erreichen will.

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