Seit dem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag „Politik als Beruf“ vom Soziologen Max Weber wird zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Diese beiden ethischen Haltungen stehen in starkem Kontrast zueinander, aufgrund komplett verschiedener Sicht- und Herangehensweisen bezüglich verschiedener Situationen.

Der Verantwortungsethiker achtet vor allem darauf, welche Folgen die von ihm durchgeführte Handlung haben wird. Je sinnvoller und gewinnbringender die Wirkung, desto besser ist eine Handlung. Somit wägt er Konsequenzen verschiedener Handlungen ab und ist sich den Folgen dieser Handlungen, sofern vorhersehbar, stets bewusst und muss diese auch selbst verantworten können. Durch diese Eigenverantwortung ist der Verantwortungsethiker nicht durch ein bestimmtes ethisches Prinzip, wie beispielsweise beim Utilitarismus, solange man nach dem Prinzip der Nützlichkeit handelt, der Verantwortung entzogen, sondern muss die Konsequenzen für seine Entscheidungen selber tragen. Ein Verantwortungsethiker besitzt natürliche Ideale und Normen für deren Realisierung er sich einsetzt, jedoch ist er bereit, sieht es sogar als seine Pflicht an, kurzzeitig gegen seine Normen zu verstoßen, wenn durch die Verstoßung langfristig positivere Zustände hervorgerufen werden können. Kurz gesagt, ist ihnen die Art und Weise der Handlungsdurchführung weniger wichtig, sodass der Zweck die Mittel heiligt und auch moralisch fragwürdige Entscheidungen in Betracht gezogen werden.

Die Gegenposition des Verantwortungsethikers bildet der Gesinnungsethiker. Ihm sind die Konsequenzen seiner Handlung egal, entscheidend sind nur die eigenen Prinzipien, Normen und Werte, also die subjektive Auffassung der Moral (Gesinnung), mit der eine bestimmte Handlung durchgeführt wird. Außerdem lehnt er unmoralische Handlungen, auch wenn diese mit sicherer Gewissheit, bessere Zustände hervorrufen, generell ab und verurteilt sie. Hinzukommt, dass der Gesinnungsethiker sich vollkommen aus der Verantwortung zieht und somit keine Haftung, für die von seiner Handlungen hervorgerufen Konsequenzen, übernimmt.
Diese beiden ethischen Theorien werfen in ihrer Reinform viele Probleme auf. Aufgrund ihrer Extremität und Beschränktheit, werden entsprechende Vertreter immer Mühe haben ihre Position auf einer der beiden Seiten zu rechtfertigen.

Das einfachste Problem der Verantwortungsethik ist, dass man sich den Folgen der Handlung nie genau bewusst sein kann und welche Auswirkungen sie sonst noch mit sich bringt. So könnte eine Handlung mit anfänglich positiven Konsequenzen, eine unvorhergesehene Kette von Auswirkungen nach sich ziehen und später verheerende Konsequenzen hervorrufen. Ein Beispiel dafür wäre der Sturz eines Diktators, was zu einem vorerst positiven Ergebnis führt, aber dann ein noch viel schlimmerer Tyrann an die Macht käme und der Zustand danach schlimmer ist als zuvor.

Nicht nur die Verantwortungsethik, sondern auch die Gesinnungsethik weist gewisse Schwierigkeiten in der Umsetzung auf, zumindest entspricht sie weniger unseren moralischen Vorstellungen. Immer nur nach seiner Gesinnung zu handeln und jegliche anderen Dinge, wie die Auswirkungen außer Acht zu lassen, nur dass man nach seinen Prinzipien richtig handelt, kann auch nicht immer der beste Weg sein, weil man oft keine positiven Veränderungen erwarten kann, ohne dass man aus seinen Moralvorstellungen ausbricht. Das typische Beispiel ist der Tyrannenmord. Der Gesinnungsethiker würde sich nicht bei der Ermordung eines Tyrannen beteiligen, obwohl er weiß, dass durch diesen Tyrannen sehr viele Menschen sterben würden, da Mord nicht seinen Prinzipien entspricht und er keine Verantwortung für sein Handeln, da er in seinem Sinne richtig gehandelt hat, übernimmt.

Meiner Meinung nach ist die Verantwortungsethik die sinnvollere Position, da mir die positiven Resultate und Folgen wichtiger sind, als die Gesinnung, mit der ich die Handlung durchführe. Jedoch muss ich sagen, dass ich mich mit keiner direkt identifizieren kann und dass eine extreme Positionierung für mich undenkbar erscheint und unnachvollziehbar ist. Es ist wie in vielen Bereichen so, dass man ein gesundes Mittelmaß zwischen den beiden Theorien finden muss, um für die meisten Situationen, unter Berücksichtigung der eigenen Prinzipien und den möglichen Auswirkungen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Schlagwörter-Wolke

Philosophische Schnipsel

Notizen, Essays & Reflexionen zu Kultur, Medien, Literatur und Gegenwartsphilosophie

Ergänzungsfach Philosophie

Kantonsschule Wettingen

%d Bloggern gefällt das: