In der Ethik unterscheidet man zwischen zwei grundverschiedene Theorien, die einen starken Kontrast bilden. Hierbei handelt es sich um die Verantwortungsethik und um die Gesinnungsethik, deren Begriffe hauptsächlich durch den Soziologen und Politiker Max Weber eingeführt wurden. In seinem Vortrag „Politik als Beruf“ stellt er diese beiden Haltungen einander gegenüber. Um Unklarheiten zu vermeiden, sollte ich schon vor ab die Begriffe Verantwortung und Gesinnung definieren: Unter Verantwortung versteht man im Allgemeinen, die Verpflichtung zu seinen Handlungen zu stehen und ihre Folgen zu tragen. Die Gesinnung beschreibt eine Art Grundeinstellung des jeweiligen Individuums.

Ein Mann steht an einem Fenster im zweiten Stock und sieht Adolf Hitler unten auf der Straße vorbeigehen. In unmittelbarer Nähe liegt eine Waffe.

a) Er erschießt ihn, damit weitere Tote durch dessen Regime verhindert werden. Dabei nimmt er in Kauf selber zum Mörder zu werden, da ein Mord im Vergleich zu Millionen unschuldigen Morden ohne Frage das kleinere Übel ist.

Er handelt verantwortungsethisch. Bei der Verantwortungsethik stehen vor allem die Konsequenzen unseres Handelns im Vordergrund und die Frage nach ihrer Verantwortbarkeit. Vor einer Handlung muss ich die Folgen, die aus meiner Handlung resultieren können, abwägen (Konsequentialismus). Vom verantwortungsorientierten Standpunkt aus nimmt man allerdings, wenn man sich in einer Zwickmühle befindet, auch mal eine Maßnahme vor, die moralisch bedenklich ist, aber den bestmöglichen Ausgang erzeugt. Der Zweck heiligt also die Mittel. Dabei muss man jedoch für die Folgen aufkommen, falls diese Entscheidung sich negativ auswirken sollte.

 b) Der Mann schießt nicht, da das Töten mit seinen moralischen Werten nicht vereinbar ist. Er würde sich, wenn er ihn erschießt ja selbst zum Mörder machen. Er fühlt sich für weitere Tote durch sein fehlendes Eingreifen nicht verantwortlich, denn Töten ist im Allgemeinen falsch und, dass es dennoch Menschen gibt, die Töten für legitim halten, liegt nicht in seinem Einflussbereich.

Er handelt gesinnungsethisch. Die Gesinnungsethik fokussiert sich vorallem auf die Handlungsabsicht und das Festhalten an persönlichen Werten. Gesinnungsethiker nehmen oft tugendhafte Wertevorstellungen ein. Hier zählt der eigene „gute Wille“, ohne dass die Handlungsfolgen eine Rolle spielen. Man bleibt bei der Entscheidung seinen moralischen Vorstellungen treu und tut somit bei negativen Auswirkungen auch nichts „Unrechtes“ wofür man sich verantworten müsste.

Zunächst scheint mich die Verantwortungsethik anzusprechen, denn gerade in dem Beispiel mit Adolf Hitler wird deutlich, dass es manchmal eben richtig ist ein Opfer zu bringen um etwas zu stoppen, das ohne diese Entscheidung noch mehr Opfer gefordert hätte. Aber wenn wir solche brutalen Beispiele mal aus unseren Überlegungen ausschließen, inwieweit ist dann der Sinnspruch:“Der Zweck heiligt die Mittel“ moralisch vertretbar? Wie groß darf das Opfer sein, so dass es durch das Ziel der Handlung wieder wett gemacht werden kann? Kann man unter diesem Vorwand möglicherweise auch Menschen gegeneinander aufwiegen? Die Frage, danach wann der Zweck die Mittel heiligt, zeigt, dass wir bei der reinen Verantwortungsethik auf einem schmalen Grat balancieren. Verantwortungsethiker sind prinzipiell aber mehr an ihrem Umfeld interessiert und eher dazu gewillt für Andere Risiken auf sich zu nehmen, als Gesinnungsethiker.

Der Gesinnungsethiker trägt viel eher zur Verschlechterung einer Lage bei, als der Verantwortungsethiker, da das Festhalten an persönlichen Werten, die Flexibilität, die man benötigt, um verschiedene Situation beurteilen zu können total einschränkt. Natürlich sollte man beispielsweise ehrlich zu seinen Mitmenschen sein. Jeder von uns hat sich allerdings auch mal in einer bestimmten Situation für das Lügen entschieden, da die Wahrheit zu unnötigen Sorgen geführt hätte. Meiner Meinung nach kann man sogar sagen, dass die reine Gesinnungsethik egoistisch ist. Gesinnungsethiker möchten mit sich selbst im Reinen bleiben. Damit sie sich weiter hin, für einen „guten Menschen“ halten können, nehmen sie Opfer in ihrem Umfeld in Kauf, für diese sie sich obendrein noch nicht einmal mitverantwortlich fühlen. Die Gesinnungsethiker setzen sich also nur für ihre Gemeinschaft und für „das größere Wohl“ ein, solange sie ihre Handlungen mit ihrem Gewissen und moralischen Einstellungen vereinbaren können.

Die Verantwortungethik und die Gesinnungsethik sind in ihrer Reinform beide moralisch bedenklich. Während bei der Verantwortungsethik vorallem die Begrenzung, wann der Zweck die Mittel heiligt Probleme bereitet, so ist das Prinzip der Gesinnungsethik insgesamt viel zu wenig an gemeinsamen Werten orientiert.

Ich persönlich denke, dass man ein bisschen von beiden Theorien in seine Entscheidung einfließen lassen müsste, um eine moralisch richtige Handlung zu vollziehen, aus der möglichst positive Folgen resultieren. Man sollte sich nicht gezwungen fühlen, eigene Werte umzuwerfen und Dinge zu tun, die man nicht mit sich selbst ausmachen kann, denn man hat meist nicht ohne Grund seine Zweifel. Jeder Mensch hat denke ich eine gewisse Intuition was Folgen bestimmter Handlungen angehen, auf Grund eigener Erfahrungen oder bestimmter angelernter Normen. Dieser inneren Intuition, die in dem Fall der „Gesinnung“ gleichzusetzen ist, sollte man in erster Linie schon folgen. Bevor man dies allerdings tut, muss man auch die Konsequenzen der inbetrachtziehenden Handlung abwägen. Wenn nun die Maßnahme, die verglichen mit anderen Optionen die größtmögliche positive Auswirkung erzeugt, zwar nicht mit den eigenen ethischen Vorstellungen vereinbart werden kann, jedoch der Zweck der Handlung im Vergleich zu den verwendeten Mitteln deutlich erkennbar bessere Konsequenzen mit sich bringt, so sollte man sich je nach Situation schon überlegen „den Pfad der eigenen Gesinnung“ zu verlassen, um etwas zu tun, dass vielleicht nicht besonders angenehm für einen selbst, jedoch dem Allgemeinen Wohl und der Gesellschaft von Nutzen ist.

 

 

 

 

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