Das Drei-Eltern-Baby

Ein Baby, drei Elternteile.

Für viele ist es ein Tabubruch oder eine Grenzüberschreitung. Manche sehen es als Behandlung einer schweren Krankheit, manche als genetische Menschenzucht.

Zum ersten Mal ist nach einer neuen Methode der künstlichen Befruchtung, bei der Erbmaterial der mütterlichen Eizelle ausgetauscht wird, ein Baby geboren worden. Doch ob diese neue Variante schwerwiegendere Folgen hat als man bisher glaubt, ist unklar.

Bei der Frage, ob die menschliche Keimbahn dabei wirklich verändert wird und ob das alles ethisch vertretbar ist, gehen Meinung stark auseinander.

 

Im April 2016 wurde das erste Kind nach einem erfolgreichen Kerntransfer geboren. Somit hat es einen genetischen Vater, eine genetische Mutter und eine Eispenderin als Eltern.

Die aus Jordanien stammende Mutter hat eine seltene Erbkrankheit, von der die DNA in den Mitochondrien der Zelle betroffen ist. Diese Erbkrankheit wird an ihre Kinder weitergegeben, weshalb sie schon mehrere Fehlgeburten hatte. Zwei Kinder konnte sie lebendig austragen, doch starben sie kurze Zeit später an den Folgen der Erbkrankheit, dem Leigh-Syndrom. Dabei wird das Nervensystem falsch ausgebildet und die Babys sind unheilbar krank. Die Frau kann also grundsätzlich keine gesunden Kinder zeugen.

Ziel war es nun mittels dem Kerntransfer die Vererbung der Erbkrankheit zu unterbinden. Dazu entfernte man den Zellkern der noch unbefruchteten mütterlichen Eizelle und setzte diesen in ein entkerntes Spender Ei. So konnte man die erkrankten Mitochondrien der Mutter mit gesunden Mitochondrien der Spenderin ersetzen. Das „neue“ Ei wurde daraufhin im Labor künstlich, mit den Samen des Vaters, befruchtet und später der Mutter eingesetzt.

9 Monate später wurde ein, nach monatelanger Tests für gesund erklärter, Junge geboren.

Die Eltern wurden in Mexico behandelt, weil die umstrittene Technik dort, anders als in vielen anderen Ländern, unter anderem Deutschland, nicht verboten ist. Das Parlament, so wie die Kontrollbehörde Groß-Britanniens hat als weiteres Beispiel nun offiziell grünes Licht dafür gegeben, dass solche Embryos nicht nur im Labor gezeugt, sondern auch ausgetragen werden dürfen. Begründung ist, dass sie die Gefahr sehen, dass sonst schwere oder tödliche Erbkrankheiten weitergegeben werden und man es nur so unterbinden kann.

Dieser geringe Prozentsatz des Erbguts der Spenderin hat keinen Einfluss auf Charakter, Aussehen und andere Eigenschaften des Babys. Darum bevorzugen Wissenschaftler den Begriff „Mitochondrien-Ersatz-Therapie“ gegenüber dem „Drei-Eltern-Baby“.

Der entscheidende Punkt ist, dass dieser Vorgang trotz allem einen unwiderruflichen Eingriff in die Keimbahn zukünftiger Generation hat. Da dieses Kind erst vor 9 Monaten geboren wurde, weiß man noch nicht sicher was noch alles in der Entwicklung des Kindes geschehen wird und welche Nebenwirkungen auf die folgenden Generationen zukommen werden.

 

Meiner Meinung nach ist es egal ob ein Kind 2 oder 3 Elternteile hat, vor allem, weil die Spenderin in diesen Fällen vermutlich nicht sehr viel mit dem Kind zu tun haben wird. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass anders als in anderen Diagnostiken kein Embryo getötet wird. Vielmehr wird ein und derselbe Embryo während der Zeugung geheilt.

Generell wird einer Person die Möglichkeit gegeben gesunde Kinder zeugen zu können, ohne dass dabei ein Lebewesen zu Schaden kommt, was sicherlich ein sehr wichtiger und innovativer Schritt in die richtige Richtung der Medizintechnik ist. Das an Eizellen und deren Erbinformation herumgeschnippelt wird, hört sich im ersten Moment fatal an, jedoch merkt man nach genauerem informieren das dabei, wie schon erwähnt, im Normalfall (!) nichts an den Eigenschaften des Kindes verändert wird. Doch hat es natürlich auch einen Grund, warum es nur wenige Staaten der Welt gibt, in denen man den Kerntransfer legal durchführen darf, denn die Folgen usw. sind einfach noch nicht bewährt und die Forschung meiner Ansicht nach noch nicht vollendet. In ein paar Jahren wird man vielleicht schon neue Erkenntnisse gesammelt haben und spätestens in ein paar Jahrzehnten, wenn das Kind alt genug ist und schon Nachfahren gezeugt hat, wird man sehen wie sich die Erbkrankheit und die Person an sich entwickelt hat. Ich würde also zu diesem Zeitpunkt, trotz der vielen positiven Punkte, das Risiko nicht eingehen ein Kind mithilfe Kerntransfer zu zeugen.

 

 

 

 

(Außerdem hoff ich, dass ich keine tödliche Erbkrankheit in meiner DNA habe und mir diese Entscheidung niemals bevorstehen wird!!)

 

Kommentare zu: "Das Drei-Eltern-Baby" (1)

  1. doodlelaroo schrieb:

    Die Methoden, die in der Medizin angewendet werden, werden immer außergewöhnlicher und gerade dieses Beispiel der „Mitochondrien-Ersatz-Therapie“ gibt betroffenen Eltern neue Hoffnung auf gesunde Kinder. Die von Dir erwähnten eventuellen Nebenwirkungen sind auch mir persönlich zu ungewiss, sodass ich, wenn ich betroffen wäre, erst nach einer langen Überlegung eine solche Methode anwenden würde. Dafür würde für mich sprechen, dass es meinen Kindern ohne eine solche Therapie krank zur Welt kommen werden und es möglich wäre, sie davor zu bewahren. Außerdem würde es mir als Mutter gefallen, dass das Kind trotz Spender-Eizelle einer anderen Frau, von mir ausgetragen wird und lediglich die Mitochondrien von ihr stammen. Für mich ist das Kind ohne Bedenken mein eigenes, gerade weil es keinen Einfluss auf den Charakter oder ähnliches geben soll.
    Trotzdem wäre es mir zu risikoreich, dass eventuell doch schädliche Einflüsse auf das Kind geschehen könnten, da immerhin starke Veränderungen vorgenommen werden und es anscheinend relativ wenig Kenntnis über die zukünftigen Auswirkungen gibt.
    Natürlich können Kinder auch aus vielen anderen Gründen eine Krankheit bekommen, aber für mich wäre dieser Weg nicht denkbar, da ich das Gefühl hätte, mit dem Leben eines Kindes zu „experimentieren“. Zudem schätze ich, dass die Therapie für viele unbezahlbar ist, welche unter diesen seltenen Krankheit leiden.

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